Handball-Legenden bei „Space Party Crew“ in Münchholzhausen

Höhen und Tiefen: Die beiden ehemaligen Nationalspieler Michael und Uli Roth

haben über ihre Erfolge und die Schockdiagnose Krebs erzählt. Welche Tipps sie für ihre Fans haben.

Von Lothar Rühl

WETZLAR-MÜNCHHOLZHAUSEN – Die beiden sind Legenden: Uli und Michael Roth haben in ihrem Leben viel erreicht – im Sport und in der Musikbranche. Es war Torsten Weicker, dem Vorsitzenden des Fördervereins „Space Party Crew against Aids“, gelungen, die 60-jährigen Zwillinge nach Mittelhessen zu holen. In der Gaststätte „Zur Krone“ erzählten die Ex-Handball-Nationalspieler aus ihrem Leben.

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Die Roth-Brüder spielen sich in dem Vortrag immer wieder die Bälle zu. Eine Kostprobe. Uli Roth sagt: „Michael ist jünger als ich.“ Darauf antwortet der Angesprochene: „Dafür bist du zehn Kilo schwerer.“ Schon als Kinder seien sie als Guckerli und Dickerli bezeichnet worden, erfahren die Zuhörer.

Über den Vater, der Handball spielte, kamen die Zwillinge in Leutershausen ebenfalls zu diesem Hallensport. Wurden erfolgreich. 1984 erreichten sie mit der deutschen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Los Angeles die Silbermedaille. 1990 wurden sie Deutscher Meister.

Wege trennen sich nach sportlicher Karriere

Nach der sportlichen Karriere trennen sich ihre Wege. Uli Roth managte 20 Jahre lang, von 1997 bis 2017, die deutsche Popband Pur mit ihrem Frontman Hartmut Engler. Sein Bruder Michael hingegen ist dem Handball als Trainer treu geblieben. Seit Sommer ist er Cheftrainer bei Bregenz-Handball.

Von 2009 bis 2010 war er Trainer des heimischen Bundesligisten HSG Wetzlar. „Damals habe ich hier in Münchholzhausen gewohnt“, sagt der Coach. Rainer Dotzauer habe ihn an die Lahn geholt. Öfter sei er im Restaurant „Deutsches Haus“ in Münchholzhausen eingekehrt, das es nun nicht mehr gibt. Eigentlich hatte er einen Drei-Jahresvertrag mit der HSG. Doch schon nach einem Jahr wurde er vom Konkurrenten MT Melsungen geholt, wo er acht Jahre lang die Mannschaft trainierte. „Fans waren sauer, weil ich während der Saison gegangen bin“, erinnert sich Michael Roth.

Schon in jungen Jahren hätten beide Ehrgeiz und Leistungswillen gezeigt, erläutert Uli Roth: „Wir haben uns beide als Klassensprecher beworben.“ Zudem hätten sie bemerkt, dass sie mit Menschen umgehen können. Im Rückblick sagt Michael Roth: „Wir haben beide ein erfolgreiches Leben, ein gutes Leben.“

„Wir haben beide ein erfolgreiches Leben, ein gutes Leben.“

Michael Roth, Ex-Handball-Nationalspieler

Den Zuhörern geben die Zwillinge einige Lebensweisheiten mit auf den Weg: „Disziplin, das Ziel etwas zu erreichen zu wollen, gilt nicht nur im Sport.“ Eine andere Maxime lautet: „Authentisch bleiben, im Beruf und zu Hause.“ Dass nicht alles Gold war, wurde an dem Abend aber auch deutlich. Uli Roth hielt ein Meter-Band in die Höhe, von dem Bruder Michael immer wieder ein Stück abschnitt, um deutlich zu machen, wie viel Lebenszeit bereits verbraucht ist. Zuletzt bleiben noch 20 Zentimeter übrig, die für rund 20 Jahre Lebenserwartung stehen.

„Prostata-Paten“ haben Botschaft für alle Männer

Dabei sah es vor 13 Jahren gar nicht so aus, als würden die Brüder so alt werden. Die Diagnose Prostatakrebs traf beide innerhalb von drei Monaten im Alter von 47 Jahren. Zuerst traf es Michael Roth. Für ihn war es ein Schock. Er konnte die Mannschaft in Großwallstadt nicht mehr motivieren und gab den Trainerjob auf.

In einer Hamburger Klinik wurden sie erfolgreich operiert. Inzwischen sind die Roth-Brüder „Prostata-Paten“, denn sie sind mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen. Es ist ihre Botschaft des Abends an die Männer: „Gehen Sie zum Onkologen, lassen Sie sich untersuchen. Prostatakrebs ist heilbar.“ Sie hätten gesehen, dass das Thema bei Männern verschwiegen wird. Dabei seien die Heilungschancen groß.

Um mehr Menschen über die Heilungschancen aufzuklären, haben die eineiigen Zwillinge zwei Bücher geschrieben unter den Titeln „Unser Leben – Unsere Krankheit“ und „Hurra, dass wir noch leben“, erschienen im ZS Verlag für je 22,99 Euro. Anfang des Jahres haben die Roth-Brüder an der Vox-Fernsehshow „Showtime of my life – Stars gegen Krebs“ teilgenommen.

Das Ergebnis ihrer eigenen Erkrankungen: „Wir sehen Zeit als wichtigen Faktor im Leben.“ Den Zuhörern geben sie mit auf den Weg: „Organisiert Freizeit mit Familie und Freunden, treibt Sport und achtet auf die Ernährung. Überlegt: Was will ich mit meinen letzten 20 Jahren machen? Nutzt die Zeit, die ihr bekommt, und verabschiedet euch von Dingen, die ihr nicht braucht.“

Unter den 60 Gästen des voll besetzten Saales war auch der 75-jährige ehemalige Manager der HSG Wetzlar, Rainer Dotzauer, den eine Freundschaft mit Uli Roth verbindet.

Vorsitzender Torsten Weicker (Mitte) interviewt die Zwillinge Michael (l.) und Ulrich Roth. Foto: Lothar Rühl

VERANSTALTUNGS-HINWEIS

Am Samstag, 5. November, um 19 Uhr werden die Olympiasiegerinnen Heike Drechsler und Britta Steffen ins Bürgerhaus nach Münchholzhausen kommen. Durch den Abend führt hr-Moderator Tobias Kämmerer. Eintrittskarten gibt es für 10 Euro. Kontakt: info@spacepartycrew.de.

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