Ein kleiner Bäckermeister kämpft für Frauen in Afrika

Ein kleiner Bäckermeister kämpft für Frauen in Afrika

Rüdiger Nehberg will Banner in Mekka aufstellen

Wetzlar-Münchholzhausen (lr). Ein älterer, kleiner, aber sehr agiler Herr betritt im Bürgerhaus in Münchholzhausen die Bühne. In fast zwei Stunden zieht der 78-Jährige mit seinen Bildern und seiner lebhaften Schilderung die rund 200 Besucher in seinen Bann. Die Rede ist von Rüdiger Nehberg, einer lebende Legende. Den „kleinen Bäckermeister aus einer Hamburger Vorstadt“, wie er sich selbst nennt, hat es nie lange in seiner Backstube gehalten. Die mit 15 Jahren getroffene Berufsentscheidung füllt ihn nicht gänzlich aus. Deshalb sucht er den Ausgleich in Weltreisen. Was er dabei alles erlebt hat, das erzählte Nehberg bei einem Diavortrag auf Einladung des gemeinnützigen Vereins „Space Party Crew against Aids“ aus Dutenhofen. Schon mit 17 Jahren fuhr Rüdiger Nehberg mit dem Fahrrad nach Marokko, um Schlangenbeschwörung zu lernen. Er wanderte durch nordafrikanische Wüsten und den brasilianischen Urwald. Auf einem massiven Baumstamm überquerte er den Atlantik und lief 1.000 Kilometer ohne Nahrung und Ausrüstung von Hamburg nach Oberstdorf durch Deutschland. Seine anfänglich aus reiner Abenteuerlust unternommenen entbehrungsreichen Expeditionen nutzte er später, um auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen.

20 Jahre hat er für die Rechte der Yanomami-Indianer im brasilianischen Urwald gekämpft und die Goldschürfer aus deren Reservat zurückgedrängt. Im ersten Teil seines Berichtes vergingen kaum fünf Minuten, ohne dass er die Besucher zum Lachen brachte.

Als Schirmherr hatte Regierungspräsident Dr. Lars Wittek die Veranstaltung eröffnet. Er zollte Nehberg und der Space Party Crew Respekt für ihren jahrelangen Einsatz. Das ehrenamtliche Engagement sei ein Reichtum der Gesellschaft, „vor dem wir uns verneigen möchten“, so Wittek.  Für Musik sorgte der Bläserkreis Dutenhofen unter Leitung von Christoph Kraft.
Der zweite, ernstere Teil des Vortrages war von einem schweren Thema belegt. Seit 1980 setzt sich Nehberg gegen die genitale Verstümmelung von Mädchen ein. In Afrika erfuhr der Abenteurer, dass 90 Prozent der Opfer Muslima sind. Deshalb hat er sich in den letzten 30 Jahren mit seinem Hilfswerk „Target“ (Ziel) gemeinsam mit seiner Frau Annette dafür eingesetzt, die höchsten islamischen Geistlichen dazu bringen, den Brauch zur Sünde zu erklären. 2006 hat er tatsächlich eine Konferenz in der Al-Azhar-Universität Kairo/Ägypten organisiert. Am Ende erklärten die Geistlichen den Brauch zu einem Verbrechen, das unvereinbar ist mit der Ethik des Islams. Doch der politische Erfolg seiner Mission blieb bislang aus. In 35 überwiegend muslimischen Ländern wird die genitale Verstümmelung heute noch praktiziert – auch von Christen. Immer werde die falsche Begründung angeführt, es stehe in den heiligen Schriften beider Religionen. Dabei sei ein Problem, dass die Menschen vielfach nicht lesen und schreiben können.

Der Konditormeister verkaufte 1990 seine Backstube, um sich ganz seinen Projekten von Target zu widmen. Die Krönung seines Lebenswerks wäre es, so Nehberg, wenn er mit dem saudischen König Abdallah ein Banner auf dem heiligen Platz in Mekka aufstellen könnte. Vier Millionen Menschen würden dann an ihrem Heiligtum lesen, dass die genitale Verstümmelung den Werten des Korans widerspricht.
„Vielleicht erlebe ich tatsächlich noch, bevor ich in die letzte Kiste springe, dass es gelingt, dass Mädchen nicht verstümmelt werden“, so Nehberg zum Abschluss.

Seit vielen Jahren unterstützt der Dutenhofener Verein den Kampf von Nehberg durch Spenden. Auch der Erlös des Abends in Münchholzhausen ist für dessen Einsatz für die Frauen in Afrika bestimmt.

Bild 1: 200 Besucher haben im Bürgerhaus in Münchholzhausen atemlos den Abenteuerberichten von Rüdiger Nehberg gelauscht und sich mit Applaus für die Ausführungen bedankt.

Bild 2: Abenteurer Rüdiger Nehberg wird umlagert von Fans, die ein Autogramm in eines seiner Bücher haben wollen.

Fotos: Rühl

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