Patricia Kelly wirbt in Wetzlar für Brustkrebsvorsorge
Erstellt von Toni
Bei einer Veranstaltung der „Space Party Crew against Aids“ in Wetzlar hat Sängerin Patricia Kelly über ihre berühmte Familie und ihre Brustkrebserkrankung gesprochen.

Dass die 55-jährige Patricia Kelly nicht nur zum Referieren auf Einladung des Vorsitzenden Torsten Weicker (Dutenhofen) gekommen war, sondern auch typische Lieder aus der Historie der Kelly Family gemeinsam mit dem Pianisten Manuel Noll zum Besten gab, war ein Sahnehäubchen. Durch den Abend führte die Moderatorin Tanja Rösner der h3-Morningshow. Sie konnte auch die Theologin und Autorin Margot Käßmann als Schirmherrin begrüßen. Zudem war die hessische Sozialministerin Heike Hofmann (SPD) zu einem Grußwort gekommen.

Patricia Kelly, sechstes Kind des amerikanischen Lehrers Daniel Kelly und seiner Frau Barbara, erzählte, dass sie in Spanien geboren wurde. Als der Vater die zehn Kinder in seinen VW-Bus packte und mit ihnen nach Rom fuhr, nahm die Geschichte der Musikerfamilie ihren Anfang. „Aus einem Schicksal entstand die professionelle Kelly Family“, erinnert sich die Sängerin. Aus dem am Kolosseum abgestellten Kleinbus wurde den Kellys alles gestohlen außer den Musikinstrumenten. Um die Familie zu ernähren, fingen sie an, in Rom auf der Straße zu singen. „Die Leute weinten in der Fußgängerzone bei unseren Liedern“, schildert die blonde Sängerin. „Das war der Beginn der Kelly Family.“ Mit „Sometimes“ stimmte die Sängerin ein erstes Lied aus der fast 50-jährigen Geschichte der Musikergruppe an.
Als die Referentin fragte, wer denn das Straßenkonzert der Familie vor über 30 Jahren in Wetzlar miterlebt hat, gingen zahlreiche Hände hoch. Zehn Jahre lang ist die Familie in Fußgängerzonen aufgetreten, bis sie in Stuttgart einen Plattenvertrag erhielten. Bis heute haben sie vor mehr als 20 Millionen Besuchern live gespielt, 25 Millionen Alben verkauft und über 300 Gold- und Platinplatten eingespielt. Noch gehen acht Mitglieder auf Tour.
Patricia Kelly spricht auch über Schicksalsschläge
Doch Patricia Kelly hat nicht nur die schönen Seiten des Erfolges thematisiert. Als sie 12 Jahre alt war, starb die Mutter 1982 an Brustkrebs, nur wenige Monate nach der Diagnose. Damals habe es noch keine Vorsorgeuntersuchungen gegeben. „Mutter war schwanger mit Angelo, dem Jüngsten, als sie Brustkrebs bekam.“ Patricia sagte im Rückblick: „Mutter war eine starke, gläubige Frau.“ Der Vater fiel in eine Depression und begann zu trinken, weil er über den Verlust der Ehefrau nicht hinwegkam. Das Geld war aufgebraucht, und der Strom wurde der Familie abgestellt. „Meine große Schwester und ich haben alles gestemmt. Wir haben in der Kälte Ende November auf der Straße gesungen, um alle Kinder satt zu bekommen.“

Auch bei Patricia Kelly schlägt das Schicksal zu. 2008, sie ist 39 Jahre alt, wird auch bei ihr bei einer Vorsorgeuntersuchung Brustkrebs festgestellt. „Geht zur Vorsorge, es kann euer Leben retten“, rät sie den Besucherinnen. Mit dem Lied „Don’t Lose Hope“ („Verliert die Hoffnung nicht“) macht sie auch musikalisch Mut. Kraft habe ihr der christliche Glaube gegeben. Heute ist Patricia Kelly Botschafterin des Vereins Brustkrebs Deutschland.
Margot Käßmann rät zu Vorsorgeuntersuchungen
Auch die Ex-Bischöfin Margot Käßmann riet zu Vorsorgeuntersuchungen bei Frauen, aber auch zur Prostata-Vorsorge für Männer. Sie selbst hat bereits zwei Brustkrebsoperationen hinter sich. Die Diagnosen hätten ihre Prioritäten verändert. Wer von der Diagnose betroffen ist, sollte die Krankheit nicht verheimlichen und sich nicht zurückziehen. Den Gesunden sagte sie: „Lasst die nicht allein, die eine Diagnose haben. Reduziert die Menschen nicht auf ihre Krankheit.“
Sozialministerin Hofmann wies darauf hin, dass Brustkrebs die häufigste Todesursache für Frauen in Deutschland ist. Jährlich erkrankten Tausende daran. „Früherkennung rettet Leben“, sagte Hofmann und ergänzte: „Ich bin froh, dass es die Mammografie gibt.“ Sie appellierte an die weiblichen Besucher, zur Vorsorge zu gehen. „Von diesem Abend geht ein Signal aus: Wir sind bei Ihnen, wir sehen Sie.“
Bilder @Lothar Rühl

